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Psychologie:
Durch Enttäuschungen wachsen

Verzeihen und loslassen heißen die Zauberworte, um das Leben leichter zu nehmen


Im Einklang mit sich: Wer verzeihen kann, tut sich leichter.

Jahrelang hat Anna Luchs (Name geändert) ihre Enkelkinder mehrmals pro Woche gehütet, weil Sohn und Schwiegertochter beruflich sehr engagiert waren. Jetzt, wo die Zwillinge groß sind, ist der Kontakt nur noch sehr lose. Eine bittere Erfahrung für die Großmutter: War sie etwa nur so lange willkommen, wie sie gebraucht wurde?

 

Auch Hartmut Flassbek (Name geändert) ist enttäuscht. Über Jahrzehnte hat er für seinen Betrieb sein Bestes gegeben – jetzt legt man ihm zum 60. den Vorruhestand nahe.

 

„Wer enttäuscht wird, hat das Recht, erst einmal verletzt zu sein und auch wütend“, erklärt Birgit Altmeyer, Leiterin der Erwachsenen-Seelsorge im Erzbistum Köln. „Machen Sie aber Ihren Selbstwert nicht so sehr von anderen abhängig.“ Anna Luchs ist ein wertvoller Mensch, auch ohne dass sie sich für ihre Familie nützlich macht. Auch Hartmut Flassbeks Wert bemisst sich nicht nur an dem, was er für seine Firma leistet. Welche Stärken noch in ihnen stecken, erfahren sie aber erst, wenn sie sich auf etwas Neues einlassen. „Sagen Sie den anderen ruhig, dass ihr Verhalten Sie verletzt“, meint Gerontologin Prof. Ursula Lehr, „aber nehmen Sie’s nicht allzu persönlich. Aus der Altersforschung wissen wir, dass man im Lebensrückblick oft hört: ‚Damals hätte mich dies oder jenes fast aus der Bahn geworfen. Aber heute sag ich mir: wer weiß, wofür das gut war.’ Mit Abstand sieht man vieles in einem anderen Licht und kann sich vielleicht damit versöhnen.“  wie ‚Nie hat sie mich geliebt’ oder ‚Wie konnte er mir das antun’.“

 

Das Zauberwort heißt Verzeihen. Das bedeutet ja nicht gutheißen, sondern vor allem loslassen, um selbst nicht länger unter dem eigenen Groll zu leiden. Dazu rät auch die Psychologin und Buchautorin Doris Wolf: „Sagen Sie sich: ‚Ich habe mich sehr verletzt gefühlt. Aber jetzt entscheide ich mich, dem anderen zu verzeihen.’“ Das kann eine große Befreiung sein. „Sonst hegen wir jahrelang Vorwürfe wie ‚Nie hat sie mich geliebt’ oder ‚Wie konnte er mir das antun’.“ 

 

Glücklich auch, wer darüber mit einem vertrauten Menschen sprechen kann. Diffuse Ängste werden klarer, wenn sie ausformuliert werden, das hat Birgit Altmeyer oft erlebt. Außerdem ist geteiltes Leid halbes Leid. „Scheuen Sie sich deshalb nicht, Beratungsangebote wie die Telefonseelsorge zu nutzen – die sind genau dafür da.“

 

Enttäuscht, aber nicht verbittert – so klappt es:
 

  • Pflegen Sie Ehrenämter. Halten Sie Kontakte zu Freunden, Nachbarn. Nutzen Sie Angebote von Sport- und anderen Vereinen.

  • Üben Sie sich im Verzeihen – im Großen wie im Kleinen. Wer etwa ein Vordrängeln im Supermarkt nicht gleich als Provokation interpretiert, sondern denkt, „vielleicht warten ja kleine Kinder zu Hause“, reagiert gelassener – und erspart sich unangenehme Gedanken.

  • Pflegen Sie Konversation. Auch „Small Talk“ verbindet. Wechseln Sie ein paar Worte mit der Kassiererin, halten Sie dem Mann mit der schweren Kiste die Tür auf.